Aktuelles

Ich lade herzlich ein zu Lesungen aus dem Erzählband "Nimm einen Namen" am:

  • 20.11.2020 um 19.30 Uhr in der Buchhandlung LESELUST, Hauptstraße 11, 01097 Dresden - fällt leider aus!

Ein Film vom Literaturnetz Dresden über Schreib- und Lebenserfahrungen mit der Verlegerin Katharina Salomo, der zu Corona-Zeiten in der Dresdner Zentralbibliothek entstanden ist.

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Seit fast zehn Jahren gebe ich Kurse an der Volkshochschule Dresden:

  • Schreiben zwischen Handwerk und Kreativität
  • Schreiben als Selbsterkenntnis
  • Erinnern – Erzählen – Schreiben (biografisches Schreiben)
  • Von der Idee zum Text (mehrtägiger Workshop)

Konkrete Termine können dem jeweiligen Semesterprogramm der Volkshochschule entnommen werden.


Anfang April startete die Arbeiterwohlfahrt Halle-Merseburg auf ihrem YouTube-Kanal ein Vorleseprojekt. Dreimal wöchentlich werden hier Geschichten für Jung und Alt veröffentlicht. Unter anderen auch von der Dresdner Autorin Wiete Lenk, der Frankfurter Autorin Meike Möhle sowie die Wuppertaler Autorin Anke Höhl-Kayser.

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Presse

Erzählband „Drei Wochen drüber“

 

Martina Freier, Lektoratsdienste der EKZ, Ausgabe 17.06.2013:

 

Der Titel suggeriert, dass es sich in diesem Buch um eine junge Frau handelt, deren Periode überfällig ist und die sich deshalb mit einer Schwangerschaft arrangieren muss. Aber, das ist nur ein kleiner Aspekt in einer der vielen kurzen Geschichten, die Stationen des menschlichen Lebens hinterfragen, von der Geburt bis zum Tod. Das ist eine hübsche Idee, in die sich der Leser immer wieder einlassen und sich eine eigene Meinung bilden kann. Der Stil der sächsischen Autorin ist sehr gepflegt. Nur hat sie einen Hang zu Vergleichen und Attributen, die dem Sprachfluss manchmal im Wege stehen. Alles in allem bleibt es eine Sammlung von lebendigen Kurzgeschichten, die man immer wieder gerne zur Hand nimmt.

 

 

Thomas Gärtner, DNN vom 03.03.2014:

 

Hundegehör für Dornenschreie

 

Der Abend mit der Dresdner Autorin Wiete Lenk war eine Premiere in doppelter Hinsicht. Auftakt einer neuen Reihe: die erste „Autoren-Lese“ im Johannstädter Kulturtreff… außerdem war es der Auftritt von Wiete Lenk mit ihrem ersten eigenen Buch „Drei Wochen drüber“, ein Band mit Kurzgeschichten. Die Verfasserin ist eine Frau mit Lebenserfahrung. Als Stewardess hat sie nach dem Abitur zunächst gearbeitet, später Betriebswirtschaft studiert. Seit 2004 veröffentlicht sie Prosa. Ihre Kurzgeschichten, von denen sie fünf vorstellte, sind mitten im Alltag angesiedelt. Wie und worüber einfache Menschen sprechen, gibt diese Prosa in fast naturalistischer Genauigkeit wieder: Sparsam ist der Erzählton, Figuren sind mit wenigen Strichen gezeichnet. In einer Geschichte schauen wir einer jungen Frau, neu ins Haus gezogen und mit ihrer dumpf-misstrauischen alten Nachbarin beim Wäscheaufhängen zu. Die Jüngere träumt von Farben, schwärmt von Malern. Alles bekommt etwas glückstaumelnd Poetisches. Am Ende überraschende Wendung: Wir erfahren ein Detail – mehr wird nicht verraten, das alles in ein anderes Licht taucht.

In der Titelgeschichte geht es um die schwierige Lebensentscheidung für oder gegen das Kind nach der Trennung vom Vater: Das Ungewöhnliche daran: Es ist mal aus der Perspektive der alleinstehenden Mutter, dann aus der ihrer Tochter erzählt, die mit 19 Jahren schwanger ist. Die Konstellation wiederholt sich. Angst, Unsicherheit, Sehnsucht - davon erzählt der Text. Von Waren auch, die Ersatz für die Seele versprechen. Die Mutter hat sich damals nach der Entbindung eine teure Armbanduhr gekauft, „weil dieses glatzköpfige, runzlige vor wenigen Tagen aus meinem Körper geschlüpfte Kind nicht ausreichte, um mich mit Glück zu füllen.“

In anderen Geschichten driften Vorgänge, ganz realistisch erzählt zunächst, ins Irreale. Die Begegnung eines Mannes und einer Frau beispielsweise. Er besitzt die Augen eines Huskys und behauptet, über das feine Hundegehör zu verfügen, mit dem er den Schrei von Dornen beim Eindringen in die Haut hören könne. Schließlich bricht auch die tierische Natur der Frau hervor.

Dann wieder ist es ein Student, Genetiker, Spezialist für Darwin und exotische Vogelarten, der in eine WG einzieht. Auch hier geschieht so eine witzig irre Verwandlung ins Forschungsobjekt, wie man sie aus den makabren Storys des Briten Roald Dahl kennt. Auf solche unterhaltsamen Überraschungseffekte setzt diese Autorin, auf das Phantastische, das harmlos Alltägliches in Ungewöhnliches, auch Unheimliches verwandelt.

 

 

 

Erzählband „Krähenbeißer“

 

Undine Materni, SZ vom 31.01.2018:

 

„Ellenbogen in Spiritus“ – Absurdes und Abgründiges

 

Es mag in der Natur der Sache liegen, dass die Kurzgeschichte nicht das Genre für das große Welttheater ist, sondern eher ein Ort für privateVorstellungen. Eine Sammlung von Kurzgeschichten kann jedoch gleich einem Mosaik sehr wohl das große Welttheater im Blick haben. Ein Beispiel dafür bietet der Band „Krähenbeißer“ der Dresdner Autorin Wiete Lenk.

Hier ist eine Autorin am Werk, die den Meistern des Genres wie Heinrich Böll oder Wolfdietrich Schnurre Ehre erweist. Wiete Lenk, die als Stewardess und Bilanzbuchhalterin arbeitete, nimmt das Erzählen ernst. Ihr geht es nur um die Geschichte und nicht um sich selbst. So in dem Text „Posamenten“, mit dem sie 2016 einen Kammweg-Literaturförderpreis gewann. Hier geht es um Quasten und zugleich um alles: Im Jahr 1917 heiratet Anselm Krüger, Lehrer und überzeugter Sozi, die Tochter eines Strumpf- und Posamentenherstellers. Kurz darauf zieht Anselm in den Krieg. Ein Stück seines Ellenbogens lässt er in Spiritus einlegen. Sein Sohn wird an dem Tag geboren, an dem die Posamentenfabrik schließen muss, denn „die Revolution benötigt keine Posamenten“. Anselm Krüger verlässt nach dem Tod seiner Frau das Erzgebirge mit seinem Ellenbogenknochen und allen Posamentenentwürfen in Richtung Amerika. Das deutsche Militär braucht nun Fallschirmseide.

Was hier auf sieben Seiten erzählt wird, ist ebenso ungeheuerlich wie genial. Mit dem scheinbar beiläufigen Satz „Dann ging alles sehr schnell“ zurrt die Autorin eine Epoche zwischen zwei Kriegen zusammen. Das tut sie so anschaulich, dass sowohl der Wunsch aufkommt, mehr über Anselm Krüger zu erfahren, als auch die Gewissheit, dass alles gesagt ist.

Das Abenteuerliche an diesem Erzählband besteht vor allem darin, dass sich die Autorin in den 21 kurzen Texten weder auf eine bestimmte Zeit noch auf bestimmte Sujets oder Themen festlegt. Ihre eigene Stimme ist immer zu spüren: leise, reduziert und nie weinerlich oder belehrend. Und doch geht es in nahezu allen Geschichten um Absurdes oder Abgründiges, so auch im Text „Fingerhakeln“.

Hier folgt die Erzählerin einer Frau, die bei einem Juwelier Ringe verkauftund dann in einer Kneipe Männer beim Fingerhakeln beobachtet. Die Aufforderung, sich zu beteiligen, wehrt sie ab, in dem sie ihre Hände vorstreckt: „Ich verliere nicht gern.“ Erst am Schluss wird in einer Szene deutlich, worum es geht: Es fehlt etwas Existenzielles, was diese Frau zum Fingerhakeln oder Ringetragen braucht.

Manchmal bleibt auch der Schluss einer Geschichte in der Schwebe, weil der Held oder die Heldin unbemerkt durch eine Hintertür gegangen sind. Es ist am Leser, dies auszuhalten oder weiterzudenken. Denn das kleine Welttheater ändert sich ebenso schnell, wie das große.

 

 

 

Erzählband „Nimm einen Namen“

 

Solveig Frey, 19.04.2020:

 

„Nimm einen Namen“ heißt der neue Erzählband der Autorin Wiete Lenk. So wie ihr letzter Band „Krähenbeißer“ ist auch er im Dresdner Verlag Zwiebook erschienen.

Tatsächlich könnte er jedoch den Titel „Ich erinnere mich an...“ tragen. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass die Autorin diese Worte beim Schreiben im Hinterkopf hatte.

Ich erinnere mich an...die Nachbarstochter, mit der ich Kirschkern-spucken geübt habe. Ich vermisse sie so wie die anderen Kinderspiele, in denen wir das Erwachsensein probten: Das ungezwungene Nacktbaden, die ersten Zigaretten, das erste Stelldichein...

Aber: „Es kimmt alles wieder“, denkt Julius in der Erzählung „Trude“ und erinnert sich dabei an den alten Menne, der jahrelang eine Wetterstation bestritt. Dieser Gedanke steht im Buch stellvertretend für all die erlittenen Verluste: des ersten Freundes, der Schwester, der Mutter und des Vaters und sogar der Heimat – kleine Lücken, die größer werden mit zunehmendem Alter und wachsenden Erfahrungen.

Hier fühle ich mich heimisch, erinnere längst vergessen Geglaubtes. Weil die Texte eigenes Erleben assoziieren. Und weil die Welt, in die ich eintauche, zum größten Teil die zwischen den Mauern ist, ist es auch ein Teil meiner Geschichte. Die erzählt natürlich Jede und Jeder anders. Wiete Lenk beschreibt sie auf eine besondere Art und Weise. Sie verknüpft Erinnerungen mit Beobachtungen, verbindet Erlebtes mit Erzähltem und berührt dabei tief die Sinne der Leserin. Aber auch wenn ich mich in eine frühere Zeit zurückversetzt finde, sprechen die Dinge doch ebenso vom Heute. Geändert haben sich einige Begrifflichkeiten. Mancherlei Worte haben einen seltsamen, fernen Klang. Für unsere Kinder werden sie sich fremd anhören.

Die damals gängige Zigarettensorte war f6, man trug Nylons von Esda, die Marmelade kam aus der HO. Man hörte heimlich Rias oder Radio Luxemburg. Und Kölsch Wasser steckte im „Westpaket“.

Heute trinkt man Mate und Mixgetränke statt Gotano. Also da erinnere ich mich doch an... - aber das wäre meine eigene (ungeschriebene) Geschichte.

In den Texten geht es neben Vergangenheits- auch um Angst- und Schmerzbewältigung.

Wiete Lenk gelingt es in den kleinen Begebenheiten unerwartete Wendungen zu präsentieren. Sie baut Spannungen auf um Fragen zu lösen oder sie auch mal offen zu lassen. Sie macht damit ein Weiterdenken der Geschichte möglich, aber auch kleine Beben auszulösen. Außerdem provoziert sie die Frage: Ist meine Assoziation die hier gemeinte? Für mich war dies besonders bei der letzten Erzählung mit dem Titel „Hexe“ der Fall, in der die Rose, deren Farbe sowie die Protagonisten als auch die Szenerie eine sehr fragile Rolle spielen.

Die Dramaturgie des Buches berücksichtigt Zeitgeschehen, Intimität und Fiktion. Ich finde diesen Aufbau genauso gelungen wie die poetische Beschreibung großer und kleiner Momente des Alltags. Deshalb erinnere ich mich gern auch nach der Lektüre an diese und empfehle den Erzählband der Dresdner Autorin Wiete Lenk unbedingt zur eigenen Erinnerungserweiterung.

Literaturförderpreis für „Posamenten“

 

Kerstin Becker, DNN vom 20.06.2016:

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